Dienstag, 15. November 2011

Zornige Großväter des Euro

Der Abschied des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet in der Frankfurter Alten Oper, so berichtet FAZ, führte die Ureltern und die derzeitigen Vormünder der Währungsunion zusammen.
Die wirklich Schuldigen der Misere sieht der Altpräsident Giscard D’Estaing auf den Märkten. Griechenland sei derart klein, daß es nicht der Grund sein kann, daß der Euro ins Taumeln komme. „Spekulanten von außerhalb der Union sind das wahre Problem.“ Die Großbanken müßten endlich aufgespalten werden, in das Investment- und das Einlagengeschäft.
„Eine Eurokrise gibt es nicht, und wenn doch, sind die Märkte schuld.“ Er könne das Geschwätz von der angeblichen Krise des Euro nicht mehr hören, wettete Altkanzler Helmut Schmidt. Das Problem sei nur die Handlungs-unfähigkeit der politischen Organe. Europa verliere nach Einwohnern und nach Wirtschaftskraft gesehen immer mehr an Gewicht: „Händler machen die Politiker zur Geisel.“
Jerzy Buzek, Präsident des EU- Parlaments, sieht dunkle Marktkräfte „ganze Volkswirtschaften zerstören“ und erlaubt sich einen Seitenhieb auf die USA: dort sei die Finanzkrise ja entstanden und US- Ratingagenturen hätten die Investoren in die Irre geführt
Eine Mehrfach-Staatsbürgerschaft, wie jetzt die italienische und österreichische parallel für Südtiroler, ist eine charmante Idee. Ob sie den vielfältigen Hoffnungen und Ansprüchen hinter der kulturell verwurzelten Vorstellung und dem sichtlichen Defizit an emotionaler Geborgenheit gerecht werden kann, bleibt aber offen.
Doch gleicht diese Idee auch einer Sicht der Mitwelt durch den Rückspiegel. Die Nationen sollten anfänglich ja Heimat und Identität bieten. Sie sind in Deutschland und Italien im 19. Jhd. als Befreiungsschlag gegen die drückenden Fremdherrschaften entstanden; aber inzwischen eine abgenützte Romantik, die im 20. Jh. zu zwei verheerenden Kriegen beigetragen hat. Im geeinten Europa kann es keine „nationalen Interessen“ mehr geben, sowie es bei den Menschenrechten keine Sonderrechte gibt.

Wenn es gelingt, den Neo-Nationalismus hintan zu halten, die Nationalstaaten mit ihren teils recht opportunistischen Regierungen abzuschaffen und durch etwa 100 Europa-Regionen abzulösen, brauchen wir keine 2 oder 3 parallelen Pässe mehr.
Es reichen die EU-Bürgerschaft und ein einheitlicher Paß, eventuell auch mit einem Regional-Vermerk.


Mittwoch, 2. November 2011

Schuldenschnitt ohne Aussicht

Der Gipfel brachte keine Verbesserung für die nackten Hintern der EU-Schuldnerstaaten. Die Gläubiger müssen Griechenland Schulden erlassen. Das Land darf im Euroraum bleiben. Die Euro-Krise ist so weit fortgeschritten, daß die Beschlüsse zwar politisch „alternativlos“ sind, aber ziemlich teuer werden. Wer glaubt, die Krise hat damit das Tal überwunden, der irrt gewaltig.
  Der Zahlungsausfall schmerzt die Gläubiger, aber das ist zuvorderst deren Problem. Der Staat ist nur dann gefordert, wenn Fundamente der Gesellschaft gefährdet werden, z.B. die Funktions-Fähigkeit des Finanzsektors.
Ratingagenturen sind ein gezielt überschätztes System der Desinformation. Sie sollten doch seit jeher die Fähigkeit eines Schuldners beurteilen, seine Verbindlichkeiten pünktlich zu erfüllen.


Die Wertung der Agenturen täuschen aber eine Verläßlichkeit und Objektivität vor, die real nicht gegeben ist. Wer aber glaubt, die Rückkehr zu den Nationalstaaten sei ein Mittel, um zurechtzukommen, irrt sich fundamental.

Montag, 31. Oktober 2011

Aushebelung des Euro

Wieder werden wir vom wahren Problem abgelenkt: aber Rettungsschirme funktionieren nicht auf Dauer. Die Idee ist überholt. Es geht nicht mehr darum, daß die Euro-Länder für den kleinen Sünder Griechenland geradestehen.
Derweilen haben sich Irland und Portugal verdrückt, weil sie selbst hilfsbedürftig sind.Spaniens und Italiens Kreditwürdigkeit sinkt, und manche Agenturen erwarten in Frankreich Ähnliches.

Im Juni war angesagt, das Volumen fürRettungsaktionen von 250 auf 440 Milliarden Euro fast zu verdoppeln. Kurz nach der slowakischen Entscheidung verkündeten die politischen Führer, daß das erhöhte Volumen inzwischen unzureichend wäre; daß eine „Hebelwirkung“ nötig sei, die es zum Fünffachen hochtreiben könnte.
Den „Rettungsschirm“ und damit die Risiken permanent aufzublasen ist keine Strategie, sondern ein Ausdruck von Ratlosigkeit. Sie funktioniert nicht, weil sie an der Überschuldung der Krisenländer nichts ändert und die aufgezwungene Sparpolitik an der folgenden Rezession scheitert.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Griff nach dem riskante Hebel

Wieder sollen wir vom wahren Problem abgelenkt werden: aber Rettungsschirme funktionieren nicht. Die Idee ist überholt. Es ist nicht mehr so, daß die Euro-Staaten für den kleinen Sünder Griechenland geradesteht. Inzwischen haben sich Irland und Portugal verabschiedet, weil sie selbst hilfebedürftig sind. Spaniens und Italiens Kreditwürdigkeit sinkt, und manche erwarten, daß Frankreich ebenfalls illiquide wird.
Im Juni wurde verkündet, das für Rettungsaktionen verfügbare Volumen von 250 auf 440 Milliarden Euro fast zu verdoppeln. Kaum eine Woche nach der letzten Parlamentsentscheidung verkündeten Europas politische Führer, daß das erhöhte Volumen inzwischen unzureichend und eine „Hebelwirkung“ nötig sei, die das Volumen effektiv bis hin zum Fünffachen des Bewilligten treiben könnte.

Die Rettungsschirme stets durch noch größere Volumina und Risiken zu ersetzen ist keine Strategie, sondern ein Ausdruck von Ratlosigkeit. Sie funktioniert nicht, weil sie an der Überschuldung der Krisenländer nichts ändert und die aufgezwungene Sparpolitik an der folgenden Rezession scheitert; und weil die engagierten Geberstaaten erpreßt und überfordert werden.

Schleichender Schuldenschnitt

Vor 10 Jahren, am 20.10., war der Kurs des Euro zum Dollar auf 0,90, zum Pfund bei 0,63. Jetzt steht es bei 1,39 und 0,87. Der Wert des Euro ist also um 54% bzw. 39% gestiegen; Oder die angelsächsischen Währungen sind massiv gefallen. Warum lassen wir uns dann in Europa von den Medien Sand in die Augen streuen, ja das Bild der Werte auf den Kopf stellen?


Der Höllenspektakel der Medien um die EU-Schulden lenkt ab, daß die die der USA und GB zusammen immer noch merklich mehr ausmachen. Die Seilschaft der Finanzjongleure verstreut über die großen Medien offenbar Desinformation, wenn behauptet wird, der Euro sei in Gefahr. Eher ist die geheime Abwertung ein bewußtes Manöver, Schulden abzuwälzen.

 Man hat zwei Fliegen auf eine Schlag: Ein Schuldenschnitt von einem Drittel auf Pfund- und Dollar- Kredite; und der starke Euro kann schwieriger am Weltmarkt konkurrieren. So hat die Achse der Finanzzentren von London und New York heimlich ein großes Ziel erreicht: sich ohne Aufsehen zu „entschuldigen“.

Mittwoch, 17. August 2011

Europa im Visier

Prof. Sdogati hat mehr als recht (Dolomiten vom 19.07.). Es gibt anscheinend neben den extrem großen und immer häufigeren Spekulationsblasen des neuen Casino-Kapitalismus noch eine parallele Strategie es US-Schuldenabwälzens, die den Euro im Visier hat.
 
Die Gewinner der letzten Finanzkrise sind rund 250 neue Dollar-Milliardäre, die Hälfte an der US-Ostküste (in 2 Jahren von 1300 auf 1550 weltweit gewachsen). Unschwer erkennt man dabei, wo die mehreren Hundertmilliarden der letzten Jahre gelandet sind: sie wurden von der Krise nicht vernichtet, sondern nur umgeschichtet.

Europa wäre mit der Hälfte mehr Einwohner und der höheren Wirtschaftskraft stark genug, sich zu wehren. Notwendig aber wäre, die National-Egoismen der Politik durch die Entlassung maßgebend verstrickter Politiker auszuschalten und eine neue Politik mit europäischer Weitsicht anzugehen:

Z.B. eine Neutralisierung der US-amerikanischen Rating- Agenturen durch eine starke europäische, eine Ablöse des Dollars als Preisreferenz für Rohstoffe durch eine solche aus Euro und ev. Yüan, und eine geringfügige Transaktionssteuer auf spekulative Finanztransaktionen mit Hebelwirkung.

Samstag, 19. März 2011

Finanz-Zocker leben vom „Auf Pump leben“

Die Erträge des letzten Jahrzehntes aus der Wertschöpfung der Realwirtschaft sind zuerst in die Immobilienblase geflossen. Als die dann geplatzt ist hat sich das Spekulationskapital auf das Wettgeschäft gestürzt. „Derivate“ hat man das vornehm genannt, was nichts anderes war, als Hütchenspiel ohne Grenzen.

Unbedarfte Anleger wurden in die Falle von scheinbaren gut bewerteten (von Agenturen „gerateten“) Anlageformen gelockt. Heimlich hat dann die Seilschaft der Spekulationslobby mit „Derivaten“ dagegen gewettet.

In der klassischen Rechtlehre ist so etwas Glatter Betrug: „ die Unwissenheit eines anderen ausnützen, um ihn zu schädigen“ fällt in der Realwelt unter das Strafgesetz. Die Gesetzgeber und Regierungen aber trauen sich nicht, einzugreifen, weil sie meistens selbst schon kompromittiert bis korrumpiert sind.

Möglich ist dieses üble Geschäft nur vor dem sozial-kulturellen Hintergrund des Schuldenmachens, „des Lebens auf Pump“. Ausgegangen ist das von der US-Kultur der Verschuldung, um die Zukunft vorwegzunehmen (siehe Literatur von Roland Benedikter).
Der „American Way of Life“ wurde - gefördert vom amerikanischen Kulturimperialismus - von Europa zuerst bewundert und dann sogleich nachgeahmt. Die Höhe der Schulden war der Maßstab für das Sozialprestige, wer mit Kreditkarte (nomen est omen) zahlt, ist angesehen, wer überweist oder gar bar zahlt, ein armes Würstchen.

Freitag, 18. März 2011

Realwirtschaft und Spekulationsblasen

Der Wissenschafter Roland Benedikter* hat sich mit dem wirtschaftlich- sozialen Phänomen der Spekulationsblasen beschäftigt und auch den kulturellen Hintergrund beleuchtet.
Er stellt die Realwirtschaft den derivaten Finanzoperationen gegenüber. Echte Wertschöpfung entsteht immer nur in der Kern- Realwirtschaft, und die Ergebnisse wurden in mittlerer Vergangenheit immer wieder in die Realwirtschaft reinvestiert.

Im letzten Jahrzehnt aber wurden die Erträge aus der Realwirtschaft dieser entzogen und in Wetten (=Derivate) spekulativ eingesetzt. Wetten sind kein Kernprozeß der Realwirtschaft, sie erzeugen keine Wertschöpfung, aber sie bilden das System der Blasen. 2002 war das Verhältnis der Realinvestition zur Spekulationsmasse 1: 2.

Inzwischen hat sich das Verhältnis zu Ungunsten der realen Wertschöpfung - auf ein unglaubliches Maß von 1 : 50 für die Zocker - dramatisch verschlechtert. Das bedeutet eine Vervielfältigung der Spekulationsmasse, die gleichsam über der ganzen Erde kreist, ohne sich je wirklich niederzulassen und ohne so damit nachhaltig zu wirken.

* Roland Benedikter (* 1965) ist ein Südtiroler Soziologe und Politikwissenschaftler, der vor allem auf dem Feld der Kultursoziologie arbeitet. Er hat Bücher über inklusive Kulturanalyse und Gesellschaftsentwicklung geschrieben und seit 2009 ist er als Europäischer Stiftungsprofessor für Soziologie an der University of California, Santa Barbara und als Visiting Fellow / Research Affiliate an der Stanford University tätig. Seit 2010 ist er auch Research and Teaching Associate an der Europa Universität Viadrina Frankfurt/Oder, Deutschland.



Schlimm ist, daß nicht nur die anglo-amerikanischen Regierungskreise völlig von der Lobby der Spekulanten vereinnahmt sind, sondern auch die EU- Regierungen das Spiel (ahnungslos oder bewußt) dulden.
Beweis: mit einer Finanz-Transaktionssteuer wollte man das große Casinospiel einschränken. Aber die mächtigen Seilschaften der Investoren-Lobby – sie haben ja die meisten Medien in der Hand – haben erreicht, daß sich ihnen die Politik gebeugt hat. Was herauskommt ist wieder ein Blendwerk, nämlich eine Bankensteuer, deren Effekt die Sozialisierung der Risiken ist.

Das Spiel geht also weiter: Die Spekulanten locken die Kleinanleger mit ihrer Medienmacht gelegentlich auf falsche Fährten, sie selber wetten dagegen und streichen – sofern es gut geht - immense Gewinne ein. Sollte es schief gehen, schreien sie nach dem Rettungsschirm. Willfährige Regierungen verteilen den Verlust auf den Steuerzahler; ganz nach dem Muster: Gewinne sind Privatsache, Verluste werden sozialisiert.

Donnerstag, 17. März 2011

Die falsche Deregulierung des Finanzsystems und die neue Form der Ausbeutung.

Die vom Neo-Liberalismus und Neo-Kapitalismus erträumte „Selbstreinigung“ des Finanzsystems hat nie funktioniert. Diese Art der Wirtschaftsphilosophie mit seiner Deregulierung nach dem Wildwestprinzip hat den Mittelstand massiv bedrängt, und dessen Ausdünnung wird jetzt allenthalben schmerzlich sichtbar. 

Wurden noch im klassischen Kapitalismus Gewinne wiederum in die Wirtschaft investiert, geht das Ergebnis aus der heutigen Ausbeutung, hauptsächlich zu Lasten des Mittelstandes, im System der Finanzblasen in parasitäre Organisationen ein. 

Und nach der Blase der High-Tech und „New Economy“ und der nächsten der Überschuldung von Immobilien, der „Subprime- Crisis“, müssen wir uns schon auf die nächste Blasen-Krise einstellen, vermutlich die der Lebensmittel.

Das Beispiel des „Rettungsschirms“ hat deutlich gezeigt, daß hier ein System gestützt wird, das falsch funktioniert. Wir mußten hier ein Schauspiel   erleben, das mit (Kultur-)-politischen Aktionen ein Blendwerk inszeniert hat, dessen alleiniges Ziel es war, Gewinne aus den Spekulationen für die wenigen Seilschaften der Spekulanten zu sichern. So konnte man die Verluste der Investoren aus den Geschäften mit der Überschuldung sozialisieren, also auf den Steuerzahler abzuwälzen.

Die Maßnahmen von „Basel III“, also vorgebliche Schutzregeln, haben eines erreicht: sie haben die Komplexität der Normen und Regeln (wahrscheinlich absichtlich) so hoch getrieben, daß es selbst Banken nicht mehr völlig durchschauen.

Im Zeitalter der zyklischen Finanzblasen müssen wir uns gegen die Zocker wehren

Die Gerüchte über angebliche künstliche Geldvermehrung oder auch über Geldvernichtung sind ein Mythos, der vielleicht vom Spiel der harten international agierenden Zocker ablenken soll. Diese saßen bisher  hauptsächlich in den anglo- amerikanischen Finanzzentren, haben aber auch schon begonnen, die vergleichbaren asiatischen Pole zu infiltrieren, und sie vermehren sich dort atemberaubend.

Geld- bzw. Wert- Vermehrung kann nur durch Produktion von Waren oder Leistung entstehen.

Das Spiel der Blasen aber räumt von der Menge der Abermillionen Kleinanleger und Fonds (siehe z.B. amerikanische Pensionsfonds), oft auch von der Masse der Hunderte Millionen Steuerzahler wenn sie (z.B. für den Euro-Schutzschild) garantieren müssen, für wenige tausend Spekulanten ab. Bezeichnend dafür ist der Anstieg der Multimilliardäre über die Blasen hinweg (New- Economy -> SubprimeCrisis -> Europäische Staatsverschuldungen -> …).

Laut „Forbes-Liste 2011“ gibt es mehr Milliardäre denn je. „Die Zahl der Superreichen steigt rasant. In den USA sind es immer weniger, in Asien und Russland immer mehr. So viele Milliardäre gab es noch nie – und das lediglich zwei Jahre nach der Finanzkrise. 1210 Dollarmilliardäre verzeichnet die neue Forbes-Liste – fast 200 mehr als vor einem Jahr.“ http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-03/forbes-milliardaer-usa

Was zu beweisen war: Die Seilschaft der neo- kapitalistischen Spekulanten bläst in Blasen, verbreitet über die Medien, die sie in weiten Teilen beherrschen, die Mär von den Krisen. Sie erzählt von den angeblich komplexen Zusammenhängen, von der Geldvermehrung  und der Geldvernichtung, streut Sand in die Augen der Betroffenen und zockt in Wirklichkeit die halbe Welt ab. Und die ständigen Katastrophen-Meldungen lenken natürlich ab, und wir geben uns als nützliche Idioten her. Selbst Landes- und Großbanken lassen sich dahineinziehen und geben den Falschspielern mitunter  sogar den Sündenbock ab.

Montag, 31. Januar 2011

Geldvermehrung und Geldvernichtung

Eine alte Antwort auf eine alte Frage: Geldvermehrung durch Kreditvergabe gibt es nicht, weil eine Bank im Wesentlichen nur verleihen kann, wofür sie in irgendeiner Form Einlagen hat (bar oder unbar). Aus der Luft kann sie folglich keinen Kredit generieren. Und ebenso gibt auch keine Geldvernichtung durch Kreditausfall.

Im Grunde ist das alles ein Null-Summen-Spiel.

Wenn also die Landesbanken nicht bei Ihren Leisten bleiben und sich großtuerisch international in Immobiliengeschäfte einlassen und nachher beim Platzen der Blase verlieren, weil Sie über den Tisch gezogen wurden, dann wird der Rückfluß geringer und es entsteht ein Loch . Aber das Geld vom Zufluß hat inzwischen in Übersee oder auf den Inseln schon wer eingesteckt.

„Das ist alles sehr kompliziert“, würde Fred Sinowatz sagen.
Ich bin aber  fest überzeugt: Es ist nicht so komplex, wie man uns glauben machen möchte. Mit der angeblichen Komplexität streut man der Bevölkerung Sand in die Augen. Geld wird nicht durch Kredit erzeugt und nicht durch Ausfälle zerstört. Die künstlich dargestellte Komplexität soll nur verschleiern, daß bei dem Spiel immer jemand soviel kassiert, wie auf der anderen Seite verloren geht.
Damit manövrieren sich die Täter in die Opferrolle. Sie beschreiben Horrorszenarien für die Politik, und die Staaten sollen Erbarmen haben, die Verluste zu sozialisieren, aus denen sie ihren Reibach generiert haben.
Manche sagen: "Der Staat ist Verlierer beim Glücksspiel.." Das aber trifft keine anonyme Vereinigung, es ist immer die Gesamtheit der Bürger (=Steuerzahler). Die müssen den Reibach der Geldverleiher und Zocker als letztes Glied der Kette durch Steuern kompensieren.

Hier ein Beispiel: Der Hedge-Fonds-Manager Paulson nach Informationen des gewöhnlich gut unterrichteten "Wall Street Journal" im vergangenen Jahr einen persönlichen Profit 5 Mio. $ an Boni eingestrichen. Dabei hat er für seinen Fonds möglicherweise das 20- bis 30-fache an Gewinn geschaufelt. 100-150 Mio. $ sind so viel, die würden ja schon fast das Loch in Irland auffüllen (oder haben es vorher durch abkehren der Flüsse erzeugt)
http://www.boerse-express.com/pagesfoonds/11206

Donnerstag, 20. Januar 2011

Unterschiedliche Wirklichkeiten besitzen auch unterschiedliche Wahrheiten.

Man könnte „Wirklichkeit“ auf die Wortwurzel zurückführen: „was auf uns wirkt“. Da empfiehlt es sich, dies deutlich von der „Realität“ zu unterscheiden. Diese wirkt eben unterschiedlich auf unterschiedliche Standpunkte. Gefährlich wird es, wenn wir solch eine Wirklichkeit sofort für die Wahrheit halten.
Ganz schlimm aber ist es dann, wenn wir einen Alleinvertretungsanspruch auf diese Wahrheit erheben: „Meine Ansicht ist richtig, deshalb sind alle anderen falsch!“. Einige (Formen von) Religionen oder politische Weltanschauungen tun das leider in geradezu menschenfeindlicher Art.
HP Dürr, Quantenphysiker und Brückenbauer zwischen Natur- und Geisteswissenschaft,  beschreibt das so: Wie so oft in unserer Geschichte kommen wir Menschen dabei Immer wieder in die alte Versuchung: Gelingt es uns einmal, einen kleinen Zipfel der Wahrheit zu erhaschen, dann meinen wir, in diesem Zipfel gleich die einzige und ganze Wahrheit zu sehen.

Wenn wir uns eine vermeintliche Wahrheit aus unserer Wirklichkeit zurechtgezimmert haben, dann versuchen wir zur scheinbaren Bestätigung alle Phänomene des Weltgeschehens, diese dorthin zurechtzubiegen.
HP Dürr meint dazu: Wir betrachten das ganze Weltgeschehen nur unter dieser einen Neuen Einsicht und zwängen, was nicht so recht passen will, mit Intelligenz, Schlauheit, Eloquenz, doch auch mit unbewußter oder bewußter Mogelei und Gewalt, in dieses Korsett.

Der Alleinvertretungsanspruch der subjektiven Wahrheit

HP Dürr, Nobelpreisträger für Physik und Philosoph, meint dazu: Gelingt es uns einmal, einen kleinen Zipfel der Wahrheit zu erhaschen… Wir betrachten das ganze Weltgeschehen nur unter dieser einen Neuen Einsicht und zwängen, was nicht so recht passen will, …, in dieses Korsett.

Dabei gehen Staats- oder und Religionsformen mitunter soweit, daß sie alles, was darüber hingeht, bekämpfen; manchmal sogar brutal.

Das beginnt bei religiöser Intoleranz, geht über einen Missionierungswahn bis hin zur Verfolgung. Beispiele und Blutspuren gibt es genug in unserer Geschichte:
von den „heiligen“ Kriegen des Mittelalters und am Beginn der Neuzeit, bis zur Befreiung sozialistischer Bruderstaaten,

bis zum Djihad oder dem “Kampf gegen die Achse des Bösen“ der jüngsten Vergangenheit. Aber auch im Alltag erleben wir es, wenn Gruppierungen, Gesellschaften, Länder, Völker ihre „Wahrheit“ und ihr Gesellschaftssystem anderen als Heilmittel und "allein seligmachend" aufzwingen (möchten).


Der bayrische Satiriker Gerhard Polt greift das Thema der eingebildeten Überlegenheit einer Ansicht in seiner „Ansprache an das Volk von Tjurangrati“ in heiterer Form auf, allerdings mit bitterböser Anspielung im Hintergrund:

“My dear Tjurangrattlers! Democracy, Ladies and Gentlemen, has a very old tradition in Bavaria. The roots go back... far, far back to a man called Plato, then Cicero and the third one was our political genius from Bavaria: Dr. Mueller! Or, as we call him in Bavaria: "Ochsensepp” and he gave the idea of democracy a new power by giving simple answers to very simple questions…

A typical Ochsensepp- question: What do democrats actually want? The democrats, Ladies and Gentlemen, always want to have a majority, a solid majority - in Bavaria: absolute majority! Now, it is to us: How can we get such a majority?
To have absolute majority, Ladies and Gentlemen, it is necessary to have your own press, your own newspaper … to tell the majority what the majority wants to hear... This is the best way to avoid unnecessary minorities.

Ladies and Gentlemen, …we wish you by heart a happy democracy.

Sonntag, 9. Januar 2011

Der Zusammenbruch des Schulden- Kartenhauses

Wir haben erlebt – und sind zum Teil noch mitten drin - wie in der aktuellen Finanzkrise um Haaresbreite ein (anscheinend) drohender Kollaps des internationalen Finanzsystems vermieden werden konnte. Der Preis dafür ist allerdings hoch: In wirtschaftlich guten Zeiten hat die Finanzwirtschaft enorme Gewinne eingestrichen und ihren Managern exorbitante Boni zugestanden, welche die Manager zu immer höheren Risikogeschäften verleitet haben. Gleichzeitig haben populistische Regierungen enorme Gelder für Beamten-Bezüge und Privilegien ausgegeben und damit eine Wähler- Hausmacht aufgebaut.

Um das Volk ruhigzustellen, haben sie großzügig Frühpensionen gewährt; so, daß viele Leute länger Renten beziehen, als sie Arbeits- und damit Beitragsjahre aufweisen können. Das Geld dafür haben sie sich auf Staatsschulden beschafft, ohne Rücksicht darauf, daß ihre Enkel noch daran zu zahlen haben.

Nachdem das finanzielle Kartenhaus der Ausgeber-Staaten, das kaum noch einen Bezug zur realen Wirtschaftwelt hatte, in den letzten Jahren zusammengebrochen ist. kommen jetzt allerdings die Staaten und somit die Steuerzahler zum Handkuß. Den riesigen Schuldenberg, der durch die überzogen deregulierte Finanzwirtschaft entstanden ist, müssen die Bürgerinnen und Bürger abtragen.
Als Folge dieser staatlichen Verschuldung fehlen nun notwendige Mittel für gemeinnützige Infrastrukturen, Sozialleistungen oder Altersrenten, verbunden mit einer Schrumpfung der Kaufkraft.

(Ergebnisse von Toblach 2010)